Bruder Milan stammt aus dem südslawischen Hlohovec, einem Dorf im Herzen des Lednice-Valtice-Areals, wo der Glaube ein selbstverständlicher Bestandteil des Lebens ist. Schon seit seiner Kindheit war er von einer spirituellen Atmosphäre umgeben – seine Familie, seine Großeltern und sein gesamtes Umfeld führten ihn zu einer natürlichen Beziehung zu Gott. Sein Großvater hatte zudem großen Einfluss auf seine Wahl der weiterführenden Schule – Milan absolvierte eine Ausbildung zum Koch und Kellner. Bald stellte er jedoch fest, dass ihn dies nicht wirklich erfüllte. Denn schon von klein auf fühlte er sich zur Kunst und zur Natur hingezogen. Er erfand eigene Brettspiele, malte und bildete sich selbst in den Bereichen Natur und bildender Kunst weiter.
Nach der Oberschule leistete er seinen Wehrdienst, wo er zum ersten Mal intensiv die harte Seite des Lebens erlebte – die tragische Erfahrung des Verlusts eines engen Freundes. Dieses Ereignis weckte in ihm tiefgreifende Fragen nach dem Sinn des Daseins. Nach seiner Rückkehr nach Hause wusste er, dass er sich nicht mehr der Kochkunst widmen wollte. Er probierte verschiedene Berufe aus, doch in ihm wuchs immer stärker ein doppeltes Verlangen – nach Kunst und nach einem spirituellen Leben.
Deshalb beschloss er, sich seinen Traum zu erfüllen, und schrieb sich an der UMPRUM in Uherské Hradiště im Fach Bildhauerei ein. Dort entdeckte er nicht nur die Schönheit der Arbeit mit Stein, sondern auch eine Gemeinschaft gleichgesinnter Menschen, die ebenfalls nach der spirituellen Dimension des Lebens suchten. Hier begann er auch zum ersten Mal, die Kraft des Gebets und der inneren Stimme ernsthafter wahrzunehmen. Denn gerade diese führte ihn oft in die richtige Richtung. Nach dem Studium sagte er sich, dass es genug mit dem Studium sei, doch genau zu diesem Zeitpunkt bereitete Gott ihm den nächsten Schritt vor – das Angebot, bei einem bekannten Bildhauer zu arbeiten. Und sein erster Auftrag? Eine Christus-Statue. Eigentlich eine sehr intensive innere Erfahrung.
Das Jahr, in dem er kreativ tätig war und gleichzeitig auf der Suche war, führte ihn weiter – bis nach Schottland, wo er in Edinburgh bei der Restaurierung historischer Gebäude half. Es war eine schöne, aber auch anspruchsvolle Zeit. Die Arbeitgeber waren nicht gerade ideal, aber das Gebet gab ihm Kraft. Und genau in dieser Zeit begann er ernsthaft über das Ordensleben nachzudenken. Er lud auch seine Verlobte zu sich nach Schottland ein, doch es stellte sich heraus, dass sich ihre Wege bereits stark trennten. Er suchte nach Antworten, suchte nach Bestärkung für eine wichtige Entscheidung – vielleicht würde eine Wallfahrt zu heiligen Stätten helfen? Vielleicht ein Aufenthalt im Kloster?
Das Schicksal führte ihn schließlich nach Vranov bei Brünn, wo er bereits Pater Pavel Havlát kannte – seinen Beichtvater. Ein kurzer Aufenthalt bei den Paulanern und die Exerzitien zeigten ihm dann endgültig den Weg. Er löste seine Verlobung und schlug einen Weg ein, der ihn zum Ordensbruder machte. Ende 2005 trat er in den Orden der Kleinbrüder des heiligen Franz von Paula ein. Sein Noviziat absolvierte er in Italien in Massa Lubrense, seine ewigen Gelübde legte er in Frankreich ab – in der historischen Stadt Tours.
Heute lebt und wirkt er wieder in Vranov bei Brünn – einem Ort, der für ihn zu einer geistlichen Heimat geworden ist. Er ist Teil der örtlichen Paulaner-Gemeinschaft, wo er sein Ordensgelübde durch tägliches Gebet, Nächstenliebe und Dienst am Nächsten erfüllt. Seinen Tagesrhythmus bestimmen vor allem die gemeinsame Liturgie, die Meditation, die Arbeit im Kloster und die Zeit, die er Einzelpersonen widmet, die Ermutigung, Rat oder stille Annahme suchen.
Bruder Milan beteiligt sich auch aktiv am Betrieb des Spiritualitätszentrums – er hilft bei der Organisation von Programmen, beim Empfang der Gäste und bei deren geistlicher Begleitung. Er ist bekannt für seine natürliche Herzlichkeit, seine Gelassenheit und seinen feinen Humor, der auch denen Erleichterung verschafft, die mit einer Last im Herzen nach Vranov bei Brünn kommen. Er erteilt außerdem Religionsunterricht und findet im Kontakt mit jungen Menschen nicht nur Sinn im Dienst, sondern auch Frische und Freude am gemeinsamen Glauben.
Daneben ist er stets kreativ tätig – in seinem kleinen Atelier entstehen Holzskulpturen, Gemälde und Kunstobjekte, die nicht nur ein ästhetischer Ausdruck, sondern zugleich ein Gebet in materieller Form sind. Jedes Werk trägt Stille, innere Konzentration und den Abdruck des Glaubens seines Schöpfers in sich. Sein Schaffen schöpft aus Tradition und Natur, es ist schlicht, kraftvoll und authentisch – genau wie er selbst. Manchmal arbeitet er für die Liturgie, manchmal aus Freude, oft auch als Geschenk für diejenigen, die es brauchen.
Das spirituelle Zentrum in Vranov bei Brünn empfindet er als einen Ort des Segens – nicht nur für sich selbst, sondern für jeden, der hierherkommt. Umgeben von Wäldern, Stille und Geschichte spricht dieser Ort ohne überflüssige Worte zum Menschen. Und gerade an diesem Ort, der zugleich Kloster, Wallfahrtsort und spirituelle Stätte ist, hat Milan nicht nur sein Zuhause gefunden, sondern auch seine Berufung: hier zu sein, zu dienen, zu gestalten und sich leiten zu lassen.
Seine Lebenserfahrung?
„Ständig zu lernen, die eigenen Fehler zu hinterfragen, zu vergeben, um Vergebung zu bitten und auf Gott zu hören. Wenn man sich ihm öffnet, geschehen Wunder.“
Und was ist seine Botschaft an die Jugend?
„Habt keine Angst, den ersten Schritt zu machen. Habt keine Angst zu suchen und Fragen zu stellen. Und vor allem – habt keine Angst, Entscheidungen zu treffen.“
Das Leben von Bruder Milan zeigt, dass der Weg zu Gott weder geradlinig noch frei von Fragen sein muss. Manchmal muss man lange suchen, sich unbequeme Fragen stellen und den Mut haben, zuzuhören – nicht nur anderen, sondern auch der leisen Stimme im Herzen. Und genau dort, in der Stille, kann der Mensch die Richtung entdecken, die seinem Leben einen tieferen Sinn verleiht. Das Kloster in Vranov bei Brünn ist ein Ort, an dem man innehalten, nachdenken, beten und wieder zu Atem kommen kann.
Kommen Sie vorbei – nicht nur, um die Schönheit des Ortes zu bewundern, sondern auch, um in der Stille zuzuhören. Und bitte – beten Sie mit uns. Für die Priester, die Brüder und für diejenigen, die ihren Platz in der Welt noch suchen.